Von Anfängerhunden, Profis, Experten und Einsteigern…
In diesem Artikel möchte ich mal aus meiner Sicht erklären, warum der erste Hund kein Anfängerhund sein muss.
Am Ende gibt es ein paar Einblicke zu unserem ersten eigenen Hund.
Dazu passend ist auch der Artikel „100% malifiziert - Leben mit einem Malinois".
Was ist ein Anfängerhund?
Wenn man sich einen Hund zulegen möchte, wird man rasch auf das Wort „Anfängerhund" stoßen.
Unter einem Anfängerhund versteht man landläufig einen Hund, der besonders leicht zu erziehen und zu jedem freundlich gesonnen ist.
Es gibt einige Rassen, die gerne als Anfängerhunde empfohlen werden.
Sehr oft ist der Labrador Retriever bei Empfehlungslisten auf Platz 1 zu finden. Nicht umsonst haben Labradore den Ruf als „Immerfreu" Hunde.
Meine Meinung zu Anfängerhunden
Alleine schon das Wort finde ich fürchterlich.
Hier geht es schließlich um ein Lebewesen mit eigener Seele und eigenem Charakter und nicht um irgendeine leblose Sache.
Es sucht sich ja auch niemand eine „Anfängerfrau", bevor er sich ernsthaft verliebt oder ans Heiraten denkt.
Da hat jeder seine eigenen Wünsche und Vorstellungen.
Stellt euch doch mal vor, jemand sagt zu euch: „Deine Frau ist ja viel sportlicher als du, für den Anfang hättest du lieber mal eine unsportliche ausgesucht."
Genau so sehe ich das mit den Anfängerhunden.
Ich bin ich und ich brauche keinen Anfängerhund, ich brauche einen Hund, der zu mir und meinem Leben passt.

Kein Verfasser einer Top-10-Liste der besten Anfängerhunde kennt mein Leben und mich.
So eine Liste kann im besten Fall zu einer ersten groben Orientierung dienen, wenn man absolut noch nie etwas mit Hunden zu tun hatte.
Ob dann allerdings ein Hund das richtige Haustier für einen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Was ist ein Profi?
Die Empfehlung zu einem Anfängerhund kommt oft von Hundeprofis. Doch was unterscheidet einen Anfänger von einem Profi, bzw. was ist ein Profi überhaupt?
Laut Wikipedia ist ein Profi jemand, der sich in einer Sache besonders gut auskennt, darin ausgebildet ist oder eine Tätigkeit gegen Bezahlung ausübt.
Das „oder" habe ich bewusst hervorgehoben.
Jeder, der etwas gegen Bezahlung ausübt, ist damit automatisch ein Profi!
Dazu muss er sich nicht besonders gut auskennen oder ausgebildet sein.
Profis genießen in unserer Gesellschaft und in den sozialen Medien einen hohen Stellenwert und das, obwohl sie nicht besonders qualifiziert sein müssen.
Genau solche Profis reden gerne von Anfängerhunden und Hundeanfängern.
Hundeanfänger sind für sie neue Hundehalter, die keine Ahnung haben und beim Hundeprofi (der ja Geld damit verdient, sich Profi nennen zu dürfen) erst mal alles lernen müssen.
Bei manchen geht es also, wie so oft im Leben, eher ums Geld als um die Sache selbst.
Was ist ein Experte?
Viel lieber sind mir da die Experten.
Ihr könnt gerne mal schauen, wie Wikipedia einen Experten definiert.
Ein Experte kann sich seinen Status nicht kaufen.
Experte wird man nur durch persönlichen Einsatz. Experten stehen mit Leib und Seele hinter ihrem Thema, denn nur wer für etwas brennt, kann sich einen echten Experten-Status erfolgreich aufbauen.
Was ist ein Einsteiger?
Ein Einsteiger ist jemand, der anfängt, sich für eine Sache zu interessieren.
Ein Ersthundehalter ist also im Grunde ein Hundeeinsteiger, dass klingt doch gleich viel netter als „Hundeanfänger".
Wenn euch also jemand zum Anfänger degradieren möchte, könnt ihr freundlich klarstellen, dass ihr engagierte Einsteiger seid.
Einsteiger unterscheiden sich von Anfängern dadurch, dass sie sich selbst dafür entschieden haben, sich für etwas Bestimmtes zu interessieren.
Einsteiger haben also ein eigenes Interesse als Motivation und werden mit der Zeit, wenn dieses Interesse anhält und groß genug ist, irgendwann selbst zu Experten.

Was ist jetzt mit den Anfängerhunden?
Ganz einfach, ihr braucht keinen Anfängerhund!
Ihr braucht als Einsteiger einfach nur euren ersten Hund. Ganz egal, welche Rasse, welche Größe oder welche Farbe.
Das ist aber kein Freibrief, sich einfach irgendeinen Hund anzuschaffen!
Zur Sicherheit wiederhole ich den Satz noch einmal:
Das ist kein Freibrief, sich einfach irgendeinen Hund anzuschaffen!
Genau das ist nämlich der Grund, warum es das große Trara um die Anfängerhunde überhaupt gibt.
Leute, die sich vor der Hundeanschaffung absolut keine Gedanken machen und sich den Hund nach Kriterien wie dem Aussehen oder nach berühmten Vorbildern wie Lassie, Kommissar Rex oder Max aussuchen.
Falsche Motivation
Wenn ihr denkt, ein Collie ist automatisch wie Lassie oder ein Deutscher Schäferhund hat alle Tricks drauf, die Kommissar Rex beherrscht, dann seid ihr auf dem völlig falschen Weg.
Ihr könnt auch nicht einfach einen Malinois anschaffen und erwarten, damit eine 1:1-Kopie von Max aus dem gleichnamigen Kinofilm zu bekommen.
Dass es leider viele Menschen gibt, die genau so denken, zeigt ein Blick in die Tierheime oder auf Vermittlungsseiten wie zum Beispiel Malinois Hilfe Deutschland e.V.
Dass ein Hund so funktioniert wie im Fernsehen oder Kino, ist das Ergebnis von langem, hartem Training und entspricht nicht dem realen Hundeleben.
Bei den ganzen Filmen kommt hinzu, dass der tierische Hauptdarsteller oft von mehreren Hunden gespielt wird, als Zuschauer merkt man das im fertigen Film nicht.
Wenn das euer Motiv zur Hundeanschaffung ist, dann schaut bitte lieber weiter eure Filme an und erspart dem Hund damit viel Leid.
Denn gerade Gebrauchshunde überfordern viele Einsteiger und landen dann schneller im Tierheim, als man es sich vorstellt.
Was will ich, was kann ich, wozu bin ich bereit?
- Könnt ihr diese drei Fragen schlüssig und ohne etwas schönzureden beantworten, seid ihr auf dem richtigen Weg.
Was will ich?
Das hängt ganz persönlich von euch ab. Wie ist euer Alltag, wie aktiv seid ihr, wie ist eure Wohnsituation, was wollt ihr mit dem Hund erreichen?
Was kann ich?
Bin ich in stressigen Situationen ruhig, oder werde ich schon beim kleinsten Problem nervös? Habe ich ausreichend Zeit, über die ich frei bestimmen kann?
Wozu bin ich bereit?
Einige sehr wichtiger Punkte!
Bin ich bereit, zu lernen?
Bin ich bereit, Probleme zu lösen, wenn welche auftauchen?
Bin ich bereit, den Hund als Teil der Familie zu sehen?
Bin ich bereit, mich von falschen Freunden zu verabschieden?
Wer sich vorher über all diese Dinge Gedanken macht, hat einen viel größeren Spielraum bei der Auswahl seines ersten Hundes.
Es muss nicht immer ein Anfängerhund sein.

Unser erster eigener Hund
Unser Eddy ist ein Malinois (Belgischer Schäferhund). Er ist unser erster eigener Hund und das, obwohl diese Rasse alles andere als ein Anfängerhund ist.
Dazu kommt, dass wir Eddy mit 6 Monaten von einem völlig überforderten Halter übernommen haben.
Das ist noch mal eine ganz andere Herausforderung als ein Welpe, den man von Anfang an selbst prägen und erziehen kann.
Wenn man sich einen „Second-Hand-Hund" einer anspruchsvollen Rasse holt, muss man genau wissen, was man da tut!
Was in der Prägephase versäumt oder falsch gemacht wurde, lässt sich nicht zu 100 % nachholen oder komplett korrigieren darüber muss man sich im Klaren sein.
Ein Second-Hand-Hund bedeutet viel Arbeit und starke Nerven.
Andere Hundehalter, die das kleine 1×1 der Hundehaltung nicht kennen oder nicht kennen wollen, zerstören oft in Sekunden kleine Trainingserfolge, die man mühsam über Wochen und Monate aufgebaut hat.
Das erlebt man leider immer wieder und regional gibt es dabei große Unterschiede.
Warum wir uns für einen Malinois entschieden haben
Ich hatte im Bekanntenkreis immer viel mit Deutschen Schäferhunden zu tun und bin quasi mit dieser Rasse aufgewachsen, ohne selbst einen zu besitzen. Später habe ich dann über gute Freunde die Belgischen Schäferhunde kennen- und lieben gelernt.
Wenn jemand sagt, ein Malinois sei ein Deutscher Schäferhund auf Speed, ist das nicht übertrieben. Malinois sind absolut verrückte (im positiven Sinn) Hunde und machen jeden Quatsch gerne mit. Sie haben Ausdauer ohne Ende – und da wir selbst sehr aktiv und genauso bekloppt wie diese Hunderasse sind, passt der Malinois perfekt zu uns.
Bevor wir unseren Eddy zu uns geholt haben, waren wir lange Zeit Hundepaten von einem Malinois und einer Spanischen Dogge. Die beiden haben wir sehr lange betreut und viel von ihnen gelernt. Zum Patenmalinois kam später noch ein zweiter dazu, sodass wir oft mit drei großen Hunden unterwegs waren. Wir hatten den Schlüssel zum Haus und konnten jederzeit zu den Hunden – mindestens einmal täglich waren wir mit ihnen unterwegs, und das über einen sehr langen Zeitraum.
Ohne unsere Patenhunde hätten wir uns niemals einen eigenen Malinois zugetraut! Das hätte im Leben nicht funktioniert.

Fazit
Im letzten Abschnitt habe ich ja schon geschrieben, dass wir ohne die Erfahrungen mit unseren Patenhunden niemals auf die Idee gekommen wären, uns einen Malinois zuzulegen.
Die Einsteigerhürde haben wir durch die Patenhunde genommen. Dazu kommt, dass diese verrückte Rasse genau meiner Vorstellung von einem Hund entspricht.
Ich habe aber auch schon vielen Leuten davon abgeraten, sich einen Malinois anzuschaffen. Man muss wirklich viele Opfer bringen und zu 1000 % hinter seinem Hund stehen, sonst wird das nichts.
Das könnt ihr mir glauben.
Brennt ihr für eine bestimmte Rasse und seid bereit, alles dafür zu geben? Dann macht es. Ihr müsst euch nur wirklich ganz genau hinterfragen, wie ernst es euch damit ist.
Im optimalen Fall könnt ihr eure Wunschrasse auch bei Freunden oder Bekannten kennenlernen.
Für mich macht es keinen Sinn, sich einen typischen Anfängerhund zu holen, um dann über zehn Jahre warten zu müssen, bis ich mir den Hund holen kann, den ich eigentlich haben wollte.
Denkt aber daran, was ich weiter oben im Abschnitt „Was ist jetzt mit den Anfängerhunden?" geschrieben habe: Das ist kein Freibrief, sich einfach irgendeinen Hund anzuschaffen! Auch den Abschnitt „Falsche Motivation" solltet ihr gut lesen und darüber nachdenken.
